Ev.-Luth. Kirchgemeinde Rückmarsdorf-Dölzig
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Andacht

Liebe Leserinnen und Leser,

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so könnte Angst aussehen, meint die Fotografin mit dem Titelbild. Das Gehirn überschlägt sich. Erwartet bang. Der sprichtwörtliche „Angsthase“ ist aber nicht der Dumme. Sondern Angst ist Meldung oder Abwehr von Gefahr. Sehr hilfreich. Und dennoch ist es gefährlich, wenn Angst ein Eigenleben entwickelt. Dann beherrscht sie uns und wir dienen ihr. Damit das nicht geschieht und die Angst ihre konstruktive Funktion behält, müssen wir sie klar benennen. Wenn das durch wen auch immer verhindert wird, dann wuchert sie irrational. Können wir der Angst aber klar auf den Grund gehen, dann sind wir auch in der Lage, sie vor Gott zu tragen. Das ist weder Ersatzhandlung noch Autosuggestion. Sondern das ist Rettung. Die Angst sagt: „Schaue nur auf mich.“ So werden wir ganz klein. Gott hält dagegen: „Schaue nur auf mich.“ Dann werden wir wieder groß. Die Evangelisten Matthäus, Markus und Lukas überliefern uns: Jesus besteigt mit seinen Jüngern ein Boot und legt sich Schlafen. Ein Sturm kommt. Es packt die Jünger die Angst vor dem Untergang. Sie wecken Jesus und schreien: „Lehrer, ist es Dir gleichgültig, dass wir zugrunde gehen?“ Und Jesus ist es nicht gleichgültig. Er bringt den Sturm zum Stillstand. Zuerst den Sturm der Angst. Und dann den Sturm der Wellen. Lässt sich Angst durch Vertrauen beherrschen? Das erwartet Jesus von seinen Jüngern: „Habt ihr denn noch immer kein Vertrauen?“, fragt er. Wir wissen aber, wie oft uns die Angst besetzt. Was dann? Gott bleibt da. Aber die Ängste auch. Das Leben macht Angst: vor Krankheit, vor Trennung, vor Verlust der Sinne im Alter, vor dem Ausbleiben der Freunde und vor vielem anderen auch. Die Ängste im Leben verändern sich. Was dem Erwachsenen Angst machte, lässt einen älteren Menschen manchmal nur schmunzeln. Und was Ältere ängstigt, versteht ein Jüngerer nicht und möchte es Älteren ausreden. Das tut man gerne, weil man sich ja selbst ängstigt und dagegen anredet. Angst kann man nicht ausreden, nur ernst nehmen. Angst gehört in Worte - zu Freunden, die nicht beschwichtigen; und zu Gott, der mich und meine Angst hört. Wie in einem Boot sind auch wir in unserem Leben unterwegs. Gutes Wetter ist schön. Aber im Falle von Sturm sagt Jesus nicht: Eure Angst ist verkehrt. Sondern er fragt: „Warum habt ihr Angst?  Warum ist in euch kein Vertrauen gewachsen?“ Das sind Fragen, die die Gefahr nicht totreden. Sondern ernst nehmen. Eine Haltung zur Angst sollen die Jünger finden, indem sie sich klar werden, was sie bedroht und wo Hilfe wartet. Das sollten wir auch tun. Dann werden wir der Ursache der Angst gerecht und unserer Beziehung zu Gott.

Ihr Pfarrer Michael Zemmrich

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