Ev.-Luth. Kirchgemeinde Rückmarsdorf-Dölzig
Ev.-Luth. Kirchgemeinde Rückmarsdorf-Dölzig

Andacht

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeindemitglieder !


„Alles hat seine Zeit“, so heißt es im Buch des Predigers im Alten Testament. Vieles zählt er dabei auf: Geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit; pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit; töten hat seine Zeit, heilen hat seine Zeit;  abbrechen hat seine Zeit, bauen hat seine Zeit; weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit; klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit; Steine wegwerfen hat seine Zeit, Steine sammeln  hat seine Zeit; herzen hat seine Zeit, aufhören zu herzen hat seine Zeit; suchen hat seine Zeit, verlieren hat seine Zeit; behalten hat seine Zeit, wegwerfen hat seine Zeit; zerreißen hat seine  Zeit, zunähen hat seine Zeit; schweigen hat seine Zeit, reden hat seine Zeit; lieben hat seine Zeit, hassen hat seine Zeit; Streit hat seine Zeit, Friede hat seine Zeit.
Und beim Lesen merke ich: All das, was da aufgezählt wird, passt in die verschiedenen Zeiten
meiner Arbeit als Pfarrerin in der Kirchgemeinde.
32 Jahre ist es her, als ich am 23.Februar 1986 meinen ersten Gottesdienst in Dölzig im Ge-
meinderaum gehalten habe. Voller  Enthusiasmus habe ich damals als Anfängerin begonnen –
als Pfarrerin in der DDR in der Auseinandersetzung mit den Repressalien, denen die Kirche  im Sozialismus  –  unter der Beobachtung der Staatsicherheit ausgesetzt war.
Voller Dankbarkeit erinnere ich mich an all die, die mit ihrem Engagement, ihrem Mut und ih-
rer Gradlinigkeit christlichen Glauben lebten, im Kirchenvorstand Courage zeigten und als
Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen die Gemeinde am Laufen hielten. Es war nich  selbstver-
ständlich, als Anfängerin eine so große Unterstützung und Akzeptanz zu erfahren.
In den Zeiten der Wende und des Umbruchs stand die Kirche vor einer großen Verun-sicherung.
Was wird nun werden? Die Hoffnungen, dass die Kirche wieder mehr Zulauf erhalten würde,  haben sich nicht erfüllt, auch wenn Kirche in der Öffentlichkeit in unseren Dörfern noch  einmal eine neue Akzeptanz erfahren konnte.
Aber auch hier – bis zum heutigen Zeitpunkt ist unsere kleine Gemeinde  –  im Verhältnis zu  den Einwohnerzahlen der Orte lebendig. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – unabhängig davon, ob sie hauptamtlich, nebenamtlich, auf Honorarbasis oder ehrenamtlich tätig sind, tun dies mit großem Engagement, mit dem sie Außenstehenden auch zeigen, was Leben aus
dem christliche Glauben heraus bedeutet. Ich erinnere mich an schöne Gemeindefeste, tolle  Konzerte und Musicals, lebendige Gottesdienste mit der Musik unseres Kirchenchores, den  Darbietungen unserer Kantoren. Ich habe Kirchenvorstandsmitglieder erlebt, die viel Zeit und Kraft für die Kirchgemeinde investiert haben und persönliche Interessen und Befindlich-
keiten hintenan gestellt haben, um mit der Gemeinde unter den veränderten Leben-sbedingungen– die ja auch die Kirche betreffen  -  wirklich an der Zukunft der Gemeinde zu  bauen und nicht wehmütig auf alte Zeiten zurückzublicken.
Es war eine tolle Zeit, die ich in Dölzig und den verschiedenen Orten, die zur Gemeinde ge-
hörten und für die ich im Laufe der vielen Jahre zuständig war, erlebt habe. Ich konnte das erleben, was heute noch den wenigsten Pfarrerinnen und Pfarrern vergönnt ist:
Menschen aus der Gemeinde in einer Familie von der Taufe über Konfirmation, Trauung,
die verschiedensten Jubiläen bis zum Tod zu begleiten, sie wirklich zu kennen. Ich konnte mit
Leib und Seele Pfarrerin auf dem Dorf sein. Gottes Begleitung – gerade auch in schwieri-
gen Situationen habe ich dabei gespürt.
Die große Dankbarkeit überwiegt bei diesem Abschied. Neben der Traurigkeit, Schönes
und Gewohntes, nette Menschen und die Gemeinde zu verlassen in dieser unsicheren Zeit,
in der noch nicht genau feststeht, wie es mit der Kirchgemeinde einmal personell  weitergehen wird. Aber ich freue mich gleichzeitig auch mit einer 50  %- Anstellung auf einen Neuanfang in der Kirchgemeinde Leipzig  –Leutzsch in Verbindung mit dem Flughafen.
Ich wünsche Ihnen alles Gute und Zuversicht für die weitere Gemeindearbeit:
Der Herr segne Euch und behüte Euch.
Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über Euch und sei Euch gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf Euch und gebe Euch seinen Frieden.
Ihre Pfarrerin  
Ines Schmidt

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Rückmarsdorf-Dölzig

Alte Dorfstr. 2
04178 Leipzig

Kontakt

Tel.: 0341 9410232
Fax: 0341 9406975

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