Ev.-Luth. Kirchgemeinde Rückmarsdorf-Dölzig
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Andacht

Liebe Leserinnen und Leser,

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haben Sie schon einmal Bilder verschickt? Postkarten von einer Urlaubsreise oder ein gelungenes Motiv mit dem Smartphone?

Nicht umsonst heißt es im Volksmund: "Das Auge isst mit". Was wir sehen, spielt eine große Rolle. Ja, es bestimmt unser Leben - heute im Überfluss. Denn mann kann in Bildern ertrinken. Keine Luft mehr für das Hören, Fühlen und Erkennen. Bilder sind dann so massiv, dass wir ihnen auf den Leim gehen. Dann kleben wir fest. Gefangen.

Wer uns bebildert, der bestimmt unser Leben. Wie gut ist es da, wenn unsere Augen stolpern. Weil nichts ist, wie es auf den ersten Blick erscheint.

Mitten in der Natur hat jemand eine Leinwand augestellt. Wird unser Blick verstellt? Oder sehen wir mehr? Wir sehen Himmel und Erde zugleich. Das kann verstörend sein. Trägt aber Wahrheit in sich. Gott ist auf den ersten Blick nicht zu sehen.

Die sowjetische Propaganda legte dem ersten Weltraumpilot Juri Gagarin den Satz in den Mund: "Ich war im Weltall und bin Gott nicht begegnet." Heute schein Gott so vergessen zu sein, dass solche Beweise für seine Nichtexistenz längst nicht mehr nötig sind. Deshalb sollten unsere Augen stolpern.

Denn hinter den Bildern wartet Gott. Alles ist immer mehr, als es zu sein scheint. Der Beter des berühmten Psalms 104 sagt von Gott: "Du lässt Gras wachsen für das Vieh und Saat zu Nutz den Menschen, dass du Brot aus der Erde hervorbringst, dass der Wein erfreue des Menschen Herz und sein Antlitz schön werde vom Öl."

Hier sieht einer hinter die Dinge. Mit dem zweiten Blick. Nahrungsmittel für Tiere und Menschen, Genuss und Schönheit sind keine Produkte. Sondern Hinweise auf Gottes Handeln.

Die Leinewand da mitten im Blick stört nicht, sondern sie macht deutlich: Hinter allem steht einer, dem wir uns verdanken. Haben Sie beim Essen schon einmal daran gedacht? Oder bei einem Glas Wein? Oder bei der morgendlichen Kosmetik? Da gibt es tatsächlich jemanden, der möchte, dass es uns gut geht. Und er hat dafür die Vorraussetzungen geschaffen. Sehen wir ihn hinter allem, was wir sehen? Dazu benötigen wir das Auge des Herzens. Wenn viele nun in diesen Monaten in der Ferne oder in der Nähe Urlaub haben, dann gibt es die Chance, sich diesem zweiten Blick zu öffnen: Alles ist immer mehr als es zu sein scheint.

Wenn Sie malerische Postkarten beschreiben oder gelungene Bilder mit ihrem Smartphon versenden, dann lassen Sie ihr Auge stolpern.

Gönnen Sie sich den Blick des Herzens. Er macht Sie reich!

Denn wer den Himmel im Blick hat, ertrinkt nicht in Bilderfluten. Sondern der weiß, wem er sich zu verdanken hat. Der bleibt ein freier Mensch. Dann ist Luft für Hören, Fühlen und Erkennen. Einen guten Sommer Ihnen allen!

Ihr Pfarrer Michael Zemmrich

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