Ev.-Luth. Kirchgemeinde Rückmarsdorf-Dölzig
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Andacht

Liebe Leserinnen und Leser,

 

Carl von Clausewitz, Feldherr und Militärtheoretiker in preußischen Diensten sagte: „Der Krieg
ist die Fortführung der Politik mit anderen Mitteln.“ Ist der Frieden also das Ende der Politik?  Das Ende der Kunst der Staatsverwaltung – so das aus dem griechischen entlehnte Wort? Wenn wir an verschiedene Kriegsenden unserer deutschen Geschichte denken, dann ist mit Waffenstillstand und Friedensschluss auch das Ende einer bisher herrschenden Politik sowie
der Beginn einer neuen Politik verbunden: 1648, 1815, 1871, 1918, 1945. Ist Frieden, wenn Kriegsparteien erschöpft sind? Wenn keine Kraft zum Krieg mehr da ist?
Wenn Sieger Verhältnisse diktieren, die im besten Fall ein Gleichgewicht zum Ziel haben wie  1648 oder eben die materielle Ausnutzung und geistige Zersetzung des Verlierers?

 

„Suche Frieden und jage ihm nach!“  Dazu fordert der Beter des Psalms 34 auf.

Der Weg zum Frieden endet also nie. Und der, der den Frieden verfolgt, muss wach sein, schnell, eifrig. Wer träge, satt und unaufmerksam ist, dem läuft der Frieden davon.

 

Frieden – Schalom steht da  im hebräischen Urtext. Der Beter des Psalms 34sagt:  „Ich will Euch die Furcht des Herrn lehren.“ Und dann rät er: „Lass ab vom Bösen und tue Gutes. Suche Frieden und jage ihm  nach.“ Der, der Frieden sucht, hat also vorher eine Entscheidung getroffen: Ich höre auf, das zu tun, was ich bisher tat. Denn es war verkehrt. Und dann tue ich Gutes, indem ich dem Frieden nachjage. Zuallererst geht es also um mich. Nicht um die anderen. Es geht nicht zuerst um Schuldzuweisung: Du hast eine falsche Vorstellung vom Frieden und jagst dem falschen Frieden nach.
Sondern das Ziel ist klar. Es heißt: Ich setzte mich der Beziehung aus, die GOTT zu mir haben möchte. Und diese Beziehung ist anspruchsvoll. GOTT spricht mich an. GOTT hat einen  Anspruch. Shalom bedeutet, dass ich GOTTES Anspruch mit meinem Leben beantworte und dadurch zu Wohlbefinden komme. Zu einem Wohlstand der Gottesbeziehung, die dann auch zu einem Wohlstand der Beziehung zu anderen Menschen führt.

Wer also die Jahreslosung  2019 missbraucht, um seine Vorstellungen vom Frieden gegen andere mit einer falschen Vorstellung vom Frieden durchzusetzen, der irrt und hat den Beter des Psalms 34 nicht verstanden.

Ich jage dem Frieden nicht nach, indem ich anderen eine böse Jagt unterstelle. Sondern der hier gemeinte Frieden ist ein Heil für den ganzen Kosmos – Tier- und Pflanzenwelt eingeschlossen. Und er ist keine Möglichkeit des Menschen, sondern eine Gabe  Gottes, nach der wir uns konsequent ausstrecken. Sonst bleiben wir auf der Strecke. Dass dies nicht geschieht, das gebe uns GOTT 2019 .
Ihr Pfarrer  
Michael Zemmrich

 

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