Ev.-Luth. Kirchgemeinde Markranstädter Land- Rückmarsdorf-Dölzig
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Andacht

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Zunächst bitte ich Sie, lesend zu beten:

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit mir. Gott, ich bitte dich um den Segen deines Wortes für mich. Öffne mein Herz für Dein Wort. Amen.

Heute ist uns ein Text aus dem 1. Petrusbrief 2,21-25 zur Besinnung vorgegeben. Dort heißt es:

Christus hat für Euch gelitten und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen; er, der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fand; der, als er geschmäht wurde, die Schmähung nicht erwiderte, nicht drohte, als er litt, es aber dem anheimstellte, der gerecht richtet; der unsre Sünden selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr heil geworden. Denn ihr wart wie irrende Schafe; aber ihr seid nun umgekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.

Als ich vor wenigen Tagen hinter einem DHL-Transporter am Markranstädter Kreisverkehr warten musste, las ich auf der Rückseite des Transporters: „Dieses Fahrzeug fährt mit Elektroantrieb. Mission 2050. NULL Emmissionen. Go Green.“ Was halten Sie von folgender Werbung auf Ihrem T-shirt: "Dieser Mensch lebt in geistlichem Antrieb. Mission Ewigkeit. Null Sünde. Go Christus." Zugegeben: Das erscheint sehr plakativ zu sein. Aber es trifft im Grunde die Aussage des letzten Satzes: „Denn ihr wart wie irrende Schafe; aber ihr seid nun umgekehrt zu dem Hirten und Bischof Eurer Seelen.“

Was hatte der Schreiber des Petrusbriefes – ca. 70 Jahre nach der Auferstehung Jesu – im Sinn, als er diesen Satz schrieb? Ja, sich wie irrende Schafe zu fühlen, die ohne wirklichen Plan und ohne ein klares Ziel haben zu können hin und her rennen, das können wir uns gut vorstellen. Denn wir bemerken von Woche zu Woche: Die Menge der Informationen, Anweisungen und Ordnungen, wie wir uns zu verhalten haben, bringt zwar Orientierungen. Aber: Sind sie auch alle hilfreich? Da gehen die Meinungen auseinander. Wir möchten alle gesund bleiben. Wir möchten, dass es bald vorbei ist. Wir möchten, dass wir wieder wie gewohnt leben können. Viele unter uns wollen nicht wieder wie bis vor 31 Jahren Mangelware teuer bezahlen oder verzichten müssen. Viele hoffen, dass wir etwas Wichtiges lernen. Kurz: Das Durcheinander ohne ein zeitliches und inhaltliches Ziel zu kennen – vielmehr Tag für Tag von der Hand in den Mund zu handeln - das ist uns gerade jetzt vertraut. Jeder deutsche Bundesstaat sagt etwas anderes. Wenn es jetzt Hirten gibt, dann gibt es viele. Und sie reden alle durcheinander. Der Schreiber des Petrusbriefes bescheinigt seinen Lesern: „Ja, so wart ihr: Wie irrende Schafe. Nun aber seid ihr umgekehrt.“

Hier halten wir inne. Die irrenden Schafe haben also eine bewusste Entscheidung getroffen: Ja, wir rennen zwar äußerlich noch hin und her. Aber innerlich, innerlich nicht mehr. Innerlich kehren wir um. Zu dem einen Hirten. Zu dem einen geistlichen Leiter – dem Hüter, dem Schützer, dem Bischof für unsere Seele.

Wenn wir schon oft genug gezwungen sind, äußerlich wie ein irrendes Schaf zu ein - hin und her rennen zu müssen - im Kopf und im Herzen sollten wir nicht wie ein irrendes Schaf sein. Sondern wir sollten umkehren zu dem, den der Schreiber des Petrusbriefes als einzigen wahren Hirten benennt: Christus.

Was zeichnet diesen wahren Hirten aus? Dazu hören wir vom Schreiber des Petrusbriefes viel: Er war ohne Sünde – lebte also vollkommen im Einklang mit GOTT. Ließ sich also von den Maßstäben dieser Welt nicht beirren. Er betrog nicht. Er erwiderte Verletzung nicht mit Aggression. Vertraute vielmehr darauf, dass kein Mensch Gottes richtender Gerechtigkeit entkommt. Und schenkte uns die Gewissheit: In Christus vernichtet Gott, was uns vernichtet. Er schenkt uns ewiges Leben. Er nimmt uns die Sünde – also die Entfernung zu ihm. Bereits jetzt. Wir gehören jetzt schon – und einmal für immer – zu seinem Reich. Damit sind alle anderen Reiche, die ihre Ansprüche an uns stellen, zwar nicht unwichtig geworden. Wir leben weiterhin in dieser Welt. Aber diese Reiche ergreifen nicht letzten Besitz von unserem Kopf. Und nicht von unserem Herzen. Wir können Abstand wahren. Können relativieren. Wir stehen immer mit einem Bein fest im Himmel. Dann kann das andere Bein auch getrost auf der Erde stehen. Manchmal ist das in der Tat ein Spagat. Aber genau diese Spannung gilt es auszuhalten in den „Fußstapfen“ des Hirten und Bischofs unserer Seele.

„Dieser Mensch lebt mit geistlichem Antrieb. Mission Ewigkeit. NULL Sünde. Go Christus.“ Wenn dass nicht nur auf unserem T-Shirt stände, sondern in unserem Herzen, dann würde uns der Schreiber des Petrusbriefes über 1950 Jahre Abstand zurufen: Ja, genau so! Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, und tiefer als unsere Angst vor der Vergänglichkeit, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus unserem Herrn.

Ich lade Sie zu einem Gebet ein:

Herr, ich bitte dich, nimmt mir alles, was mich sorgt und umtreibt. Nimm mir die Angst, wenn ich hierhin und dorthin getrieben werde. Und schenke mir Ruhe und Kraft, bei Dir geborgen zu sein. Amen.

Ich spreche Ihnen den Segen Gottes zu:

Der Herr segne Dich und behüte dich. Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir seinen Frieden. Amen.

Ihr Pfarrer Michael Zemmrich

Liebe Leserinnen und Leser unserer Kirchennachrichten! 

nein, Sehnsucht nach der heilen Welt ist nicht länger etwas für Politiker, die über besorgte Bewohner entvölkerter Landstriche lästern. Sondern die Sehnsucht nach heiler Welt wird immer größer. Was wäre gewesen, wenn die Engel den Hirten auf den Feldern von Bethlehem nicht erschienen wären? Dann hätten die Hirten vor dem Besuch an der Krippe nicht gehört, worauf sich unser Heil gründet: „Ehre sei Gott in der Höhe…“ und nicht Ehre den von uns erdachten Heilslehren.“ „…und Friede auf Erden…“  Wir können uns nicht in Münchhausen´scher Art zum Frieden ziehen. Sondern Friede wird von Gott gegeben. „…bei den Menschen seines Wohlgefallens.“

Zu vertrauen: Ich bin ein gewollter und geliebter Mensch – wie mein Nachbar auch. Das macht es möglich, den geschenkten Frieden auch in eine gute Lebensordnung zu wandeln und nicht trotz Geschenk im Durcheinandergeworfensein unterzugehen. 

Sind wir nicht des polarisierenden Geschwätzes müde, indem der eine auf Kosten des anderen sein Profil schärft? Sehnsucht haben wir nach Sättigung unserer Herzen! Den Hirten wurde von den Engeln weder das Lied von der schönen Vielfalt gesungen, noch klingelten sie das Gloria den Herrschern dieser Welt, noch sangen sie vom Fest des Friedens und der Liebe. Sondern sie verkündeten den Notfallplan Gottes für unsere unselige Welt: Christus. Damit wir selig werden - ob wir nun arm oder reich sind, jung oder alt, krank oder gesund, ob wir nur von gestern reden, ob es uns heute gutgeht, ob wir uns aufreiben oder je nach Gesinnung ein rosarotes Morgen sehen oder eben schwarz. 

Heil bedeutet ganz. Im Gegensatz zu teilweise, kaputt, traurig, sinnlos, therapiebedürftig, mit dem angeblich guten Zweck die Mittel heiligend, untergangsreif, gleichgültig, überdreht. Heil verkünden die Engel ausgerechnet denen, die am wenigsten von der Globalisierung im Römischen Reiches profitierten, „die da wohnen im finsteren Lande“, wie Jesaja schreibt. 

Ob Sie nun selbst trauern oder an einer Krankheit leiden, an einem Zerwürfnis oder einer Enttäuschung. An einer zerbrochenen Liebe oder an dem Gefühl, es sei einfach alles öde und lohne keinen Einsatz mehr.  Oder ob die Wunde einfach die Misere ist, in der wir kulturell stecken, indem sich alle unsere menschlichen Werke maßlos beschleunigen wie der babylonische Turm der Geschwindig-keit, während die Natur, der Mensch, Raum und Zeit bleiben, was sie sind.  Unsere Werke und Gottes Werke sind längst nicht mehr synchron. Gott aber liebt die Resonanz. Den „Zurückklang“. Die Mitschwingung. Den Einklang. Gott möchte sich nicht bei uns gegen uns durchsetzen. Sondern er möchte uns dabeihaben, wenn er ändert. Er möchte das Heil. Für uns. Davon redeten die Engel. Hören wir es?  

Ihr Pfarrer Michael Zemmrich

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