Ev.-Luth. Kirchgemeinde Rückmarsdorf-Dölzig
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Andacht

Liebe Leserinnen und Leser,

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„Ich weiß nicht, wo mir der Kopf steht“, sagen wir und meinen damit: Es ist alles irgendwie zu viel.
Ja, wir leben in einer immer komplexeren Welt. Es  scheint immer schwieriger zu sein, angemessen
zu handeln. Im Alltag. In der Wirtschaft. In der Politik.  In dem Maße, in dem Informations-und  Problemdichte  steigen, wird es immer schwieriger zu entscheiden: Ist  es richtig, was ich tue? Oder nicht?

Man kann natürlich einfach aussteigen. Und alles nicht mehr zur Kenntnis nehmen– geistig und geistlich von  der Hand in den Mund leben. Oder nur noch erleiden.  Der Kultur, Denk- und Sprachverfall, der Fatalismus wären dann ein Ausweg. Schlicht. Aber wirkungsvoll.  Doch wir sind nicht die ersten, die Probleme haben. Nehmen wir doch den Hinweis von Martin Luther ernst, der viel betete, wenn er viel Arbeit hatte. Dann scheint unser Problem darin zu liegen, dass wir bewährte Kräfte über Bord geworfen haben und nun den Wind in die eigenen Segel pusten  -  leben am Leben  vorbei.

„Alles ist an Gottes Segen und an seiner Gnad‘ gelegen über alles Geld und Gut“ dichtete ein  unbekannter Nürnberger um 1676  –  die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges wohl noch  erinnernd. Problembewältigung kann durch Religion – durch Rückbindung an Gott geschehen.
Entscheidend ist also, worauf sich unsere Lösungswege gründen. Nur auf unser Geld und Gut oder auch in Achtsamkeit auf Gottes Kraft – auf seinen Segen. Segen ist die Erfahrung von  Gottes Zuwendung und Güte. Wenn wir erfahren, dass etwas gelingt, dass Dinge ohne unser  Zutun oder im Nachhinein zum Guten gewendet werden, dann ist das Segen. Ohne erfahre-
nen Segen bleibt unser Leben ohne Dankbarkeit und leer.  
Als wir uns zur Gemeindefreizeit mit Esau und Jacob beschäftigten, fiel uns auf, dass Segen  mit Namensänderung verknüpft ist. Jacob –  der Betrüger wird zu Israel  - Gott kämpft. Segen kann also  –  wie bei Jacob  –  das Selbstverständnis eines Menschen heilen.
Er muss nicht mehr den Wind in die eigenen Segel pusten. Wer sich auf Gott einlässt  – wie Jacob an der Himmelsleiter  –  der ist frei, anders zu „ticken“.  Dabei ist Segen wie ein Bankguthaben - mit einer Eigenart: Für den, der nicht abhebt, wird es weniger. Für den,
der bhebt wird es mehr. Das scheint uns paradox zu sein. Aber genauso berichtet es uns die Bibel.
Am Ende unserer Gemeindefreizeit haben alle Teilnehmer einen Stein, auf den sie ihren  Namen geschrieben hatten, mit dem Zusatz beschriftet: „Hier ist ein Ort, an dem Gott wohnt.“  Auch Jacob war alles zu viel. Er sah keinen  Ausweg. Hatte an fremdem Ort einen Stein als
Kopfkissen. Und plötzlich wurde sein Ausweg die Zuwegung aus dem Himmel.
Meinst du, das könnte dir, das könnte  uns  nicht  passieren?
Wir müssen nur „abheben“.
 
Ihr Pfarrer Michael Zemmrich

 

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